Foz do Arelho ist ein vor allem bei Portugiesen beliebter Ferienort am Atlantik. Trotz der Touristen stehen viele Häuser und Restaurants leer, während gleichzeitig Bauunternehmer elegante Luxusunterkünfte mit hohen Mauern errichten.

Von Caldas da Rainha fährt ein kleiner Bus etwa eine halbe Stunde auf Umwegen bis an die Atlantikküste. Dort liegt, an einem zum Meer abfallenden Hügel, zwischen den schäumenden Wellen des Atlantik und der Lagune von Óbidos, ein kleiner, vor allem bei Portugiesen beliebter Ferienort: Foz do Arelho.

Der Bus fährt fast bis an den Atlantik, aber wir steigen vor der Endstation aus. Vor uns erstreckt sich die Strandpromenade, gesäumt von Kiosken, die nicht wie in Lissabon dunkelgrün, sondern knallrot und sonnengelb sind. Statt Galão und Bier verkaufen sie Eiscreme und Badeutensilien. Wir lassen uns am gelben Kiosk einen Sonnenschirm für sechs Euro aufschwatzen. Qualitativ nicht so hochwertig wie der für 15, aber eben billiger, überzeugt uns der Verkäufer. Ein Schnäppchen.

Die Zeit tickt in Foz do Arelho langsamer

Foz do Arelho ist windiger und kühler als Lissabon. Über der Lagune schweben die bunten Segel der Kitesurfer und im Atlantik paddeln Surfer in Erwartung der perfekten Welle. Am Ufer werfen Männer mit Westen und Schiebermützen ihre Angeln aus. Dann stehen sie schweigend und blicken auf den Ozean. Zeit hat hier eine andere Bedeutung, die Uhren ticken langsamer.

Wir wenden uns vom Meer ab und laufen in der prallen Sonne den steilen Hang hinauf. Mit zunehmender Höhe werden die Häuser luxuriöser. Kastenartige, moderne Bauten mit Glaswänden, Swimmingpools und perfekten Rasenflächen, von Mauern oder Zäunen umgeben, besetzen die Plätze mit der besten Aussicht. Der Blick über den Atlantik ist atemberaubend, die Preise für die Familienhäuser oder Zweitwohnsitze ganz bestimmt auch. Als wir vorbeigehen, springt ein Hund bellend am Zaun hoch und hört nicht auf, bis wir außer Sichtweite sind.

Luxushaus in Foz do Arelho mit perfektem Rasen und Mauer

Luxushaus in Foz do Arelho mit perfektem Rasen und Mauer

Schilder, die vor Hunden warnen, und Hinweise auf Alarmsysteme hängen an jedem Tor, aber die meisten der Luxusunterkünfte stehen leer. Verlassene Villen, die auf ihre Besitzer oder Käufer warten. Wir überlegen kurz, ob wir über eine flache Mauer klettern und in einen der blitzblau gefliesten Pools springen. Dann entdecken wir doch noch zwei misstrauisch blickende Bewohner im gläsernen Wohnzimmer, ein älterer Mann sitzt am Computer, eine Frau mit grauen Haaren blättert in einer Illustrierten. Wir gehen schnell weiter.

Weiter unten in Strandnähe sind die Häuser kleiner, weiß oder pastellfarben gestrichen, mit roten Ziegeldächern. Anwohner teilen sich die Plätze in den Cafés mit (meist portugiesischen) Touristen, die ihren Galão trinken und Torradas (Buttertoast) essen. Leerstehende Häuser gibt es auch hier.

Verstaubt und verlassen

Ein verlassenes Fischrestaurant an der Strandpromenade mit runden, bullaugenartigen Fenstern fällt uns auf. Der Haupteingang ist fest verschlossen, aber links daneben gelangt man über eine kleine Veranda zu einer zweiten Tür, die sperrangelweit offen steht. Es ist sieben Uhr abends und die Sonne wirft lange Schatten, als wir eintreten.

Drinnen hängen lange, vom Schmutz schwarz gefärbte Spinnweben von der Decke. Eine dicke Staubschicht bedeckt den Tresen, Möbelstücke und Kisten voller Gläser auf dem Boden. Im Nebenraum stehen Tische mit roten Tischdecken, vollständig eingedeckt wie in Erwartung einer Geburtstagsgesellschaft, die reserviert hat. An der Garderobe hängt ein rosafarbener Kinderhut.

Kisten mit verstaubten Gläsern auf dem Boden des verlassenen Fischrestaurants.

Kisten mit verstaubten Gläsern auf dem Boden des verlassenen Fischrestaurants.

Wir fragen die Besitzerin unserer Unterkunft, sie zuckt die Achseln. Der Besitzer habe schon letztes Jahr renovieren wollen, dann dieses, aber passiert sei nichts. Als wir wiederkommen, ist die Tür verschlossen.

Nach dem Abendessen machen wir uns auf den Weg zu der einzigen Strandbar, die noch geöffnet hat. Die Nacht ist sternklar, vom Atlantik weht ein kalter Wind. Wir bestellen ein Glas Rotwein und wickeln uns in Decken. Wir hören das Rauschen des Ozeans, können im Dunkeln aber nur vage weiße Schaumkronen erkennen. Zwei Lichtpunkte schweben wie große Glühwürmchen über den Wellen. Als wir näherkommen, erkennen wir zwei junge Männer in Windjacken, ihre Angeln mit den Lichtern auf der Spitze haben sie neben sich in den Sand gebohrt.

Warum sie nachts angeln, sind die Fangchancen besser?

Nein, antworten sie lächelnd, sie angelten Dorade, das könne man tagsüber genauso gut. Aber in der Nacht sei der Strand so ruhig und friedlich.

Fotos: Foz do Arelho, Portugal / Jonathan Date