Exotische Gärten, atemberaubende Aussichten, niedrige Preise – kein Wunder, dass Touristen nach Lissabon strömen. Aber während der Tourismus wichtige Einnahmen bringt, hat die Stadt gleichzeitig mit neuen Problemen zu kämpfen. Lärm, überlaufene Straßen, steigende Preise und die Gentrifizierung zentraler Stadtviertel bringen so manchen Portugiesen zur Verzweiflung. Ich lebe erst seit knapp einem Jahr hier und kann beide Seiten verstehen: Als Neuzugezogene bin ich selbst oft Touristin, als Anwohnerin verstehe ich die Sorgen und Ärgernisse der Lissabonner. Sechs Ideen, als Tourist ein bisschen weniger aufzufallen und zur Lösung des Problems beizutragen.

1. Keinen Coffee to go bestellen

Kaffee trinkt man in Lissabon im Sitzen oder Stehen – nicht im Gehen. Viele Portugiesen besitzen angeblich gar keine Kaffeemaschine, weil der frisch gebrühte Kaffee in ihrem Stammcafé sowieso besser schmeckt und kaum etwas kostet: Ob eine Bica (Espresso) am Tresen auf dem Weg zur Arbeit oder einen Galão mit viel heißer Milch unter Bäumen im Park, Zeit zum Kaffee trinken muss sein. Kaffee zum Mitnehmen in Plastikbechern setzt sich in Lissabon deshalb nur langsam durch. Die meisten Cafés verkaufen Coffee to go nur auf Nachfrage in kleinen, durchsichtigen Plastikbechern, die so heiß werden, dass man sie kaum anfassen kann. Weil es eben ganz und gar unportugiesisch ist, mit einem Kaffee in der Hand zur Arbeit zu hetzen. Und eine Umweltsünde sowieso.

2. Entschleunigen

Eine portugiesische Bekannte sagte mir vor kurzem, sie würde gerne nach Porto umziehen. Lissabon werde ihr zu laut, zu stressig und zu schnell. Ich war ernsthaft erstaunt. Wie jetzt, Lissabon stressig?
Für mich ist Lissabon die gelassenste Hauptstadt Europas. Wer zufällig einen Bekannten auf der Straße trifft, hat immer Zeit für ein Schwätzchen (und das passiert oft, denn Lissabon ist klein). Und wenn es eine Warteschlange gibt, stellt man sich eben hinten an und wartet geduldig. Dass Lissabonner ihre Stadt jetzt als stressig bezeichnen, zeigt, dass sich schon einiges verändert hat in den letzten Jahren. Und dass es vielleicht an der Zeit ist, die portugiesische Langsamkeit auszuprobieren – ganz besonders, wenn man Urlaub hat. Warteschlangen zum Üben gibt es genug.

3. Nicht beschweren

…zumindest nicht lautstark, und nur, wenn es wirklich sein muss. Seit ich in Lissabon wohne, bin ich nur einmal Zeuge einer etwas lauteren Auseinandersetzung auf der Straße geworden, und zwar als ein Fahrradfahrer bremsen musste, weil eine Fußgängerin auf den Fahrradweg lief (was hier durchaus ein entschuldbares Vergehen ist angesichts der verschwindend geringen Anzahl an Fahrradfahrern). Nach einem kurzen Wortwechsel lachten die beiden und klopften sich auf die Schulter. Ansonsten habe ich nur tiefe Gelassenheit und Ruhe erlebt – selbst wenn die Tram 28 mal wieder von einem auf der Fahrbahn parkenden Auto zehn Minuten lang an der Weiterfahrt gehindert wird, weil der Fahrer „kurz“ etwas erledigen wollte.

4. Das Gesetz auch mal Gesetz sein lassen

Wer aus Deutschland kommt, wird das Verhalten der Portugiesen an der Ampel gewöhnungsbedürftig finden: Bei Rot warten die Lissabonner nur, wenn wirklich ein Auto kommt. Ansonsten scheren sie sich nicht um rote Ampeln und zur Not müssen Autos auch mal anhalten, obwohl sie eigentlich Grün haben, um Fußgänger passieren zu lassen. Was in Deutschland undenkbar wäre, ist hier Teil der ungeschriebenen Straßenverkehrsordnung. Und die Polizei kümmert das wenig, die hat meistens Wichtigeres zu tun, als Rotgänger mit Strafgeldern zu belegen.

5. Die Tram 28 als Transportmittel nutzen

Die Tram Nummer 28, gebaut in den 1930er Jahren, ist das Touristen-Highlight jeder Lissabon-Reise. Die romantisch-anachronistische Straßenbahn rattert mit ohrenbetäubendem Lärm einmal quer durch die Stadt und passiert dabei Graça, Alfama, Baixa und Estrela, Achterbahnfeeling in den scharfen Kurven inklusive. Das Problem dabei: Die Tram ist tagsüber oft so überfüllt, dass niemand mehr einsteigen kann. Anwohner, die auf die Tram angewiesen sind, um von A nach B zu kommen, müssen warten. Tipp: Die Tram 28 nur nutzen, wenn ihr wirklich einen bestimmten Ort erreichen wollt. Probiert stattdessen einfach eine andere Tramlinie aus: Die Tram 25 zum Beispiel ist genauso historisch – mit dem Vorteil, dass man meistens einen Sitzplatz bekommt.

6. Öfter zu Fuß gehen

Tuk-Tuks haben viele wichtige Arbeitsplätze geschaffen und sind direkt nach der Tram 28 das bevorzugte Transportmittel der Touristen. Verständlich, denn die sieben steilen Hügel, auf denen Lissabon angeblich gebaut ist, bringen tapfere Fußgänger ganz schön ins Schwitzen. Trotzdem sind die Gefährte bei den Lissabonnern ziemlich unbeliebt, weil sie erstens so viel Lärm und Emissionen verursachen und zweitens oft durch Fußgängerzonen fahren. Das Lärm- und Verschmutzungsproblem sollte bald gelöst sein, denn der Gesetzgeber übt Druck auf die Tuk-Tuk-Betreiber aus und fordert bis 2018 eine Umstellung auf Elektromotoren. Nervig sind die Tuk-Tuks dennoch – und eine Fahrt mit bis zu 45 Euro pro Stunde auch nicht gerade billig. Wer Geld sparen und außerdem Nerven schonen möchte, sollte die Stadt zu Fuß entdecken. Die ganz besonderen Orte findet man sowieso nur auf eigene Faust.