Um café, por favor – das Ritual des Kaffeetrinkens in Portugal

Über geselliges Kaffeetrinken, portugiesische Kaffeespezialitäten und die Herausforderung, in Lissabon einen Kaffee zu bestellen.

Portugies_innen tun verschiedene Dinge leidenschaftlich und oft. Fußball schauen zum Beispiel, und am nächsten Tag lautstark die Ergebnisse kommentieren. Pastéis de Nata essen und darüber diskutieren, wo es die besten Pastéis gibt. An den Strand fahren (was bei so vielen Sonnenstunden und 1.793 Kilometer Küste auch nicht weiter verwunderlich ist). Und: Zu jeder Tageszeit Kaffee trinken.

Das Kaffeetrinken wurde natürlich nicht in Portugal erfunden und die Deutschen trinken ebenfalls oft und gerne Kaffee, wie Statistiken und ich selbst bestätigen können. Aber in Portugal ist Kaffeetrinken nicht nur der Konsum eines koffeinhaltigen Heißgetränks, sondern ein besonderes Alltagsritual.

Kaffeetrinken als gemeinschaftliches Ritual

Die meisten Portugies_innen trinken ihren Cafezinho (“Käffchen”) nämlich vorzugsweise nicht zu Hause, sondern im Café um die Ecke. Das ist meistens eine Pastelaria (Bäckerei/Konditorei), die neben diversen Kaffeespezialitäten auch Tosta Mista (Käse-Schinken-Toast), Pastéis de Nata und anderes salziges und süßes Gebäck im Angebot hat. Angeblich besitzen viele Portugies_innen gar keine Kaffeemaschine, denn es ist ja viel praktischer, schnell in die Pastelaria um die Ecke zu gehen und dort eine Tasse professionell zubereiteten Kaffees zu konsumieren.

Und nicht nur praktischer, sondern auch geselliger. Immer wenn ich mich in eines dieser typisch portugiesischen Cafés setze, wird mir schnell klar, dass ich hier als einzige niemanden kenne. Alle anderen scheinen Stammgäste zu sein, die mit einem freundlichen Schulterklopfen begrüßt werden und schnell mit den anderen Kaffeetrinkern – alles Bekannte, Freunde oder Nachbarn, denn Lissabon ist klein – ins Gespräch kommen. Kaffeetrinken ist in Portugal fast immer ein gemeinschaftliches Ritual und das Stammcafé ein sozialer Treffpunkt.

Aber auch wenn mal keine Zeit für geselliges Zusammensitzen da ist, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit oder kurz vor Ende der Mittagspause, verzichten Portugies_innen selten auf ihren Kaffee. Auf die Idee, mit einem Coffee-to-go ins Büro zu hetzen, kommt aber keiner (obwohl sich umweltschädliche Plastikbecher leider auch in Portugal immer mehr durchsetzen). Stattdessen bestellen Portugies_innen eine Bica, einen Espresso, und trinken diesen im Stehen an der Theke. So viel Zeit muss sein.

Café im Park Príncipe Real in Lissabon
Café im Park Príncipe Real in Lissabon

Herausforderung Kaffee bestellen

In einem portugiesischen Café genau das zu bekommen, was man möchte, ist übrigens gar nicht so leicht, denn es gibt diverse Kaffeespezialitäten und selbst unter Portugies_innen herrscht nicht immer Einigkeit darüber, was mit einigen der Varianten eigentlich gemeint ist. Die folgende Aufzählung ist deshalb weder vollständig noch allgemein gültig – was einem letztendlich serviert wird, variiert je nach Region und Tradition des Cafés.

Da wäre zunächst einmal die schon erwähnte Bica, ein ganz normaler Espresso. Wenn Portugies_innen in Lissabon einfach nur nach einem Café fragen, meinen sie allerdings ebenfalls einen Espresso. Fortgeschrittene können auch Variationen bestellen: Ein Café cheio ist ein Espresso, der bis unter den Rand der Tasse gefüllt wird, ein „voller“ Espresso. Ein Café curto ist ein besonders starker Espresso. Und wer einen Cafezinho, ein “Käffchen”, verlangt, meint nicht etwa, dass der Espresso kleiner als gewöhnlich sein soll, sondern betont den informell-freundlichen Umgang mit dem Kellner oder der Kellnerin. Cafezinho sagt man also nur, wenn man schon öfter in dem Café war.

Der Name Bica soll übrigens im berühmten Café “A Brasileira” erfunden worden sein. Das Café warb nämlich mit dem Slogan Beba isto com açúcar (Trink dies mit Zucker), weil die Kund_innen damals wenig angetan von dem bitteren Geschmack des Kaffees waren.

Wer keinen starken Kaffee mag, bestellt lieber einen Galão (Milchkaffee mit mehr Milch als Kaffee, serviert in einem Glas) oder eine Meia de Leite (Milchkaffee mit gleichen Teilen Milch und Kaffee, serviert in einer Tasse). Manche behaupten allerdings, ein Galão sei genau das Gleiche wie eine Meia de Leite. Ein Galão kann außerdem claro (hell, mehr Milch) oder escuro (dunkel, weniger Milch) sein.

Dann gibt es noch den Garoto, ein Espresso mit Milchschaum, den Pingado, ein Espresso mit einem Schuss kalter Milch, und den Duplo, ein doppelter Espresso in einer etwas größeren Tasse. Was ein Abatanado ist, bleibt dagegen umstritten: ein Espresso mit einem Schuss Wasser, ein doppelter Espresso mit einem Schuss Wasser oder ein Espresso mit der gleichen Menge Wasser. Wie gesagt, was einem letztendlich serviert wird, weiß man nie so genau.

 

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