Exotisch blühende Sträucher, riesige Urwaldbäume, dunkle Tümpel mit Schildkröten: Lissabon ist wahrscheinlich die Hauptstadt mit den romantischsten Parks Europas. Aber nicht alle liegen zentral und sind leicht zu finden. Vier Geheimtipps.

Jardim das Amoreiras

Nur fünf Minuten von der Metrostation Rato entfernt liegt dieser kleine, romantische Park mit Kiosk, Springbrunnen und Hibiskussträuchern. Unter hochgewachsenen Linden genießen hier meist Rentner und Eltern die Ruhe, während der Nachwuchs auf dem Spielplatz turnt. Der Park wurde 1759 von dem Aufklärer und Stadtarchitekten Marquês de Pombal angelegt, vier Jahre nachdem ein verheerendes Erdbeben fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte. Er soll damals 331 Maulbeerbäume („Amoreiras“) gepflanzt haben, die dem Park seinen Namen gaben. Direkt neben dem Park befindet sich das absolut sehenswerte Museu Arpad Szenes – Vieira da Silva in einer ehemaligen Seidenfabrik. Zu bewundern sind die abstrakten Werke der international bekannten portugiesischen Künstlerin Maria Helena Vieira da Silva und ihres aus Ungarn stammenden Partners Arpad Szenes, die beide zu Beginn des 20. Jahrhunderts malten.

Der Jardim das Amoreiras in Lissabon

Ruhe unter schattigen Bäumen: der Jardim das Amoreiras. Foto: Jonathan Date

Tapada das Necessidades

Die Tapada das Necessidades war ehemals königliche Residenz: 1742 ließ hier der als „Verschwenderkönig“ bekannt gewordene Monarch João V mit dem Gold aus Brasilien ein Kloster und einen Palast errichten. Nachfolgende Herrscher fügten ein rundes Gewächshaus, einen Tennisplatz und einen Pavillon hinzu und trugen so zu dem besonderen Charme des Gartens bei: Zwischen Kakteen, Palmen, Teichen und Skulpturen stoßen Besucher auf dem 10 Hektar großen Gelände auf zum Teil halb verfallene prunkvolle Architektur. Heute ist der ehemalige Palast Sitz des Außenministeriums und seit einigen Jahren haben Besucher freien Eintritt in den dazugehörigen Park. Scheinbar wissen aber nur wenige darüber Bescheid, denn meistens kann man die wenigen Besucher an einer Hand abzählen. Ideal also für ein Picknick im Freien in romantischer Umgebung, wenn man sich nicht um den Platz für die Picknickdecke streiten will. Essen und Getränke muss man allerdings selbst mitbringen, es gibt nämlich kein Café und außer einem Dixie-Klo auch keine sanitären Anlagen.

Quinta das Conchas e dos Lilases

Die Quinta das Conchas e dos Lilases liegt etwas außerhalb und ist nur mit der Metro zu erreichen. Einfach in die gelbe Linie einsteigen und bis Lumiar fahren. Der kleine Aufwand lohnt sich, denn der Park ist mit 26 Hektar die drittgrößte Grünfläche Lissabons: weitläufige Wiesen mit Picknickbereich, Spielplatz und Cafés, ein mit Eukalyptus, Pappeln, Eschen, Lorbeer und Ulmen bewachsenes Waldgebiet und Wander-, Lauf- und Fahrradwege bieten genug Möglichkeiten, um einen ganzen Nachmittag hier zu verbringen.

Der Park entstand durch die Zusammenlegung und Sanierung zweier Gehöfte aus dem 16. Jahrhundert, der Quinta das Conchas und der Quinta dos Lilas, und wurde 2006 eröffnet. Daran liegt es wahrscheinlich, dass der Garten so gar nicht romantisch-verwildert, sondern eher nüchtern-modern daherkommt. Geradlinige Betonwege und künstlich angelegte Kanäle durchziehen die Parkanlage, hinter Bäumen ragen Hochhäuser in den Himmel. Nur in der Quinta dos Lilases spürt man noch einen Hauch der Vergangenheit, eine Erinnerung an die dunkle Kolonialgeschichte Portugals. Hier errichtete Francisco Mantero, der mit dem Anbau von Kaffee in der damaligen Kolonie São Tomé und Príncipe ein Vermögen verdiente, Ende des 19. Jahrhunderts eine Villa im Kolonialstil mit Garten und See. Die zwei mit Bäumen bewachsenen Inseln in der Mitte des Sees repräsentieren die Inseln São Tomé und Príncipe.

Wer hier verweilen möchte, aber Lesematerial vergessen hat, muss sich übrigens keine Sorgen machen: Direkt neben dem Café steht ein zugegeben kleiner offener Bücherschrank der NGO Free Little Library mit portugiesischen und englischen Büchern. Einfach bedienen, und bei der nächsten Gelegenheit selbst ein Buch da lassen.

Quinta das Conchas e dos Lilases in Lissabon

Anwohner genießen die Natur in der Quinta das Conchas e dos Lilases. Foto: Jonathan Date

Jardins do Palacete de São Bento

Die Gärten der offiziellen Residenz des Premierministers direkt hinter dem Palácio de São Bento, dem portugiesischen Parlament, öffnen jeden Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr (Herbst und Winter) bzw. 18:00 (Frühling und Sommer) ihre Türen, und das komplett kostenlos. Entschieden hat das 2016 der portugiesische Premierminister António Costa, um daran zu erinnern, dass die Macht in einer Demokratie vom Volk ausgeht – so wünscht man sich seine Politiker. Besucher müssen zuerst eine kleine Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen, danach dürfen sie in aller Ruhe durch die teilweise exotisch verwilderten Gärten des Regierungschefs spazieren. Die sind in der Regel fast leer, nirgendwo sonst kann man so ungestört entspannen oder ein Buch lesen.